Patchday sorgt für Startprobleme bei Windows 7, 8 und 10

Microsofts Kunden kommen einfach nicht zur Ruhe. Nach dem Patchday vom Dienstag bzw. Mittwoch wurden an vielen Stellen Stimmen laut, dass Computer danach entweder stark verzögert oder überhaupt nicht mehr starteten. Gleich mehrere Updates haben für Konflikte mit Antivirenprogrammen gesorgt. Momentan hilft nur die Deinstallation der betroffenen Pakete.

Wieder haben Microsoft-Updates für Unmut gesorgt. Dieses Mal hat es das Zusammenspiel mit externen Antiviren-Programmen erwischt. Bestätigte Meldungen gibt es von Avira, Avast und Sophos. Die Hersteller arbeiten mit Microsoft zusammen an einer Lösung. Bis dahin sollten die deinstallierten Updates einfach blockiert werden. Zur Deinstallation können die Systeme in den Safe Mode gebootet werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden besagte Updates in nächster Zeit einfach re-released.

Die betroffenen Updates sind:

Windows 7 und Windows Server 2008 R2 SP1
* KB4493472
* KB4493448

Windows Embedded 8 Standard und Windows Server 2012
* KB4493450
* KB4493451

Windows 8.1 und Windows Server 2012 R2
* KB4493467
* KB4493446

Windows 10
* KB4493441
* KB4493464
* KB4493509
* KB4495666

Über die Ursachen kann nur spekuliert werden. Entweder haben die Entwickler bei Microsoft schlicht einen Fehler gemacht. Oder es wurde eine Vorankündigung, dass Schnittstellen gepatched werden, in die Tat umgesetzt und die Fremdanbieter hatten ihre Produkte noch nicht aktualisiert.

Neues Update-Verfahren für Windows 10

Funktionsupdates für Windows 10 können von Anwender solange ausgesetzt werden, wie die aktuelle Version mit allen notwendigen Sicherheitpatches versorgt wird. Mit dem neuen Windows-10-Funktionsupdate führt Microsoft nun eine Änderung beim Update-Verfahren vor. Neben Aktualisierungen am Auslieferungszeitraum können Nutzer in Zukunft das Update auslassen, wenn die jeweilige Windows-10-Version noch von Microsoft unterstützt wird.

Bislang erhielt das Microsoft-Betriebssystem zweimal jährlich so genannte Windows-10-Feature-Updates. Das neue Funktionsupdate erhält nun zusätzlich mehrere Wochen Testzeit im Rahmen des Windows Insider Release Preview Rings, bevor eine finale Auslieferung an die Nutzer stattfindet. Weitere Tests der jeweils aktuellen Version werden Microsoft-Mitarbeitern sowie von ISV- und OEM-Partner durchgeführt. Nach den Feedback- bzw. Fehlermeldungen kümmern sich die Micrsoft-Entwickler um deren Beseitigung. Auf Basis dieser neuen Vorgehensweise teile Microsoft indes mit, dass die Auslieferung des Updates „irgendwann im späten Mai“ erfolgen wird.

Microsoft führt mit dem neuen Update unter anderem das „Download and Install Now“-Feature in den Windows Update-Einstellungen ein. Diese Option trägt dazu bei, dass Anwender nicht mehr zur Durchführung des neuesten Updates gedrängt werden.

Windows 10 Mai-Update bringt mehr Kontrolle

Microsoft möchte mit dem kommenden Mai-Update wieder Bonuspunkte bei seinen Kunden sammeln. Ab diesem Zeitpunkt können Feature-Updates manuell verzögert werden. Das Unternehmen gibt seinen Nutzern damit wieder etwas mehr die Zügel in die Hand. Damit sollen ungewollte Update-Orgien auf Reisen oder während Präsentationen verhindert werden.

Die mit dem Update installierte Änderung besagt, dass Windows 10-Systeme zwar mitteilen, dass ein Update verfügbar ist. Der Besitzer kann dann aber selbst entscheiden wie er verfährt. Der Download kann bis zu 18 Monate verschoben werden. Einmal heruntergeladen, kann das Update für 35 Tage pausiert werden und wird dann automatisch installiert. Nicht betroffen von dieser Änderung sind die monatlichen Sicherheitsupdates. Diese können bis zu 35 Tage lang zurückgehalten werden. Danach werden sie automatisch installiert.

Feature Updates werden nur grob alle 6 Monate bereitgestellt, haben dann aber recht weitreichende Auswirkungen, welche nicht immer positives Feedback generieren. Daher entspricht der Konzern nun den Wünschen seiner Kundschaft und bringt mehr Flexibilität in seinen Update-Prozess. Es ist sehr schwer, es allen Windows-Nutzern recht zu machen. Die einen wollen volle Kontrolle, andere nichts damit zu tun haben. Mit dieser Änderung hofft Microsoft, in beiden Lagern punkten zu können.

Windows 10 gewinnt reichlich Marktanteile hinzu

Windows 7 nähert sich langsam aber sicher dem Support-Ende, sodass Windows 10 zunehmende Marktanteile für sich verbuchen kann. Im März konnte das derzeit aktuelle Betriebssystem einen sehr deutlich Aufwärtstrend verzeichnen, während die Marktanteile des überaus beliebten Windows 7 schwinden.

Die Marktforscher von NetMarketShare veröffentlichten hierzu verschiedene Statistiken in Bezug zur Anzahl der täglich verwendeten Windows-Systeme. Demnach sank der Windows-7-Anteile allein im März von 38,41 Prozent auf 36,53 Prozent. Der Abstand auf Windows 10 hat sich demnach weiter vergrößert. Die Marktforscher gehen davon aus, dass sich dieser Trend auch in den kommenden Monaten weiter fortsetzen wird.

Windows 10 konnte seinerseits weitere 3,32 Prozent gewinnen und besitzt nun einen Marktanteil von 43, 62 Prozent. Erst gegen Ende 2018 konnte Windows 10 seinen zehn Jahre älteren Vorgänger in Sachen Marktanteile in den Schatten stellen.

Für Microsoft dürfte diese Entwicklung eine recht willkommene Nachricht sein. Bereits seit mehreren Jahren versucht das US-Unternehmen Windows-Nutzer durch das Ergreifen verschiedener Maßnahmen zum Umstieg auf Windows 10 zu motivieren.

Bei Microsoft heißt es dieses Jahr nicht „April April“

Bei Microsoft wird dieses Jahr eine Tradition zu Grabe getragen. In einem offiziellen Statement hat Marketing-Chef Chris Capossela alle Mitarbeiter angehalten, öffentlichkeitswirksame Aprilscherze zu unterlassen. Seine Begründung hierfür ist durchaus nachvollziehbar. Derlei Scherze haben in den meisten Fällen weniger positive Außenwirkung als erhofft.

In den vergangenen Jahren haben Mitarbeiter bei Microsoft stets Hirnschmalz investiert, um am 1. April möglichst originelle und zugleich glaubwürdige Spaßmeldungen im Namen des Unternehmens zu posten. So überraschte eine Meldung im Jahr 2015, dass der Konzern nun MS-DOS mobile als App für das Windows Phone veröffentlicht hat, um mehr Nutzer zu überzeugen. Sicher eine lustige Idee, dürfte das bei der oberen Etage aber angesichts der desaströsen Marktsituation einen sauren Beigeschmack erzeugt haben.

Capossela schreibt, dass obgleich oft viel Kreativität in die Scherze gesteckt würde, deren positiver Output sehr begrenzt ist. Auswertungen haben ergeben, dass sie eher nach hinten als nach vorne losgehen. In einer Zeit, in welcher Fake-News zur Tagesordnung gehören, braucht man nicht zusätzlich noch solche Meldungen. Tatsächlich haben die Versuche von Unternehmen, auf Bestellung lustig zu sein, oftmals ein geteiltes Echo. Somit kommt diese sehr kurzfristige Notbremse doch gar nicht so überraschend.